Die Wärme, die unser Körper abgibt
Auch wenn wir still liegen und schlafen, ist unser Körper in Bewegung. Seine Zellen wandeln Energie um, das Blut transportiert Wärme durch den Körper und die Haut gibt einen Teil davon an die Umgebung ab. Ein Teil dieser Wärme verlässt uns als unsichtbare Infrarotstrahlung. Eine Wärmebildkamera macht sie sichtbar: Jede Aufnahme zeigt, dass unser Körper auch in Ruhe fortlaufend Wärme erzeugt und mit seiner Umgebung austauscht. Die Grundlagen dieser Temperaturregulation beschreibt der Physiologe Andrej Romanovsky.
Diese körpereigene Wärme erfüllt eine wichtige Aufgabe. Unser Körper hält seine Temperatur nicht einfach auf einem festen Wert; er passt die Wärmeabgabe ständig an. Wenn uns warm wird, fließt mehr Blut durch die Haut und Wärme kann leichter nach außen gelangen. Bei Kälte verändert sich die Durchblutung, damit der Körper Wärme hält. Die Haut ist damit ein aktiver Teil unserer Temperatursteuerung – und die Infrarotstrahlung ein sichtbarer Ausdruck davon, wie viel Wärme an ihrer Oberfläche ankommt. Die Wege dieses Wärmeaustauschs erläutern Cramer und Kollegen.
Warum ist die Durchblutung für unsere Gesundheit interessant? Blut versorgt Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Beides benötigen Zellen für ihre Arbeit und für körpereigene Reparaturprozesse. Zugleich werden Stoffwechselprodukte abtransportiert. Gerade aus der Wundforschung wissen wir, wie wichtig eine ausreichende Versorgung des Gewebes ist: Guerra und Kollegen beschreiben die Wiederherstellung der Durchblutung als wesentlichen Schritt, damit Zellen bei der Gewebereparatur versorgt bleiben. Auch die Bedeutung der Sauerstoffzufuhr für die Heilung ist gut untersucht. Eine gute Durchblutung schafft somit wichtige Voraussetzungen für Regeneration.
Auch Infrarotstrahlung rückt in diesem Zusammenhang in den Blick der Forschung. Hsu und Kollegen beobachteten in Zellversuchen unter gezielter Infrarotbestrahlung Veränderungen der Zellwanderung und mitochondrialer Messwerte – Vorgänge, die für die Erforschung von Gewebe und Reparatur interessant sind. Noch näher an der Frage der körpereigenen Wärme liegt eine Untersuchung von van Kraaij und Kollegen: Sie verwendeten ein Pflaster, das vom Körper abgegebene Infrarotstrahlung wieder in Richtung Haut aussendet. An untersuchten Hautstellen veränderten sich unter anderem lokale Messwerte der Durchblutung, Temperatur und Sauerstoffnutzung. So entsteht ein konkreter Forschungsansatz für die Frage, was an der Grenze zwischen Haut und Material geschieht.
Wärme bewegt sich an dieser Grenze in beide Richtungen. Die Haut sendet Strahlung aus und nimmt zugleich Wärmestrahlung ihrer Umgebung auf. Bettwäsche, Decke und Auflage sind daher Teil unseres unmittelbaren Wärmeumfelds. Ihre Materialien beeinflussen, wie sich das Bett anfühlt und wie Wärme in unserer Nähe ausgetauscht wird. Was tagsüber nur ein kurzer Kontakt wäre, begleitet uns nachts über viele Stunden.
Gerade am Abend verändert sich unser Wärmehaushalt: Hände und Füße werden wärmer und geben leichter Wärme ab, während die Körperkerntemperatur zu sinken beginnt. Kräuchi und Kollegen untersuchten den engen Zusammenhang zwischen dieser Wärmeabgabe und dem Einschlafen; Harding und Kollegen beschreiben die Rolle der Temperaturregulation für den Schlaf. Unsere eigene Wärme verbindet damit zwei Themen, die für erholsame Nächte zentral sind: eine gut regulierte Schlafumgebung und die Versorgung des Körpers, während er zur Ruhe kommt.
Genau deshalb lohnt sich ein neuer Blick auf das, worauf wir schlafen. Wenn der Körper seine Wärme ohnehin abgibt: Wie gehen die Materialien direkt an unserer Haut damit um?